in Arbeit mit Update Dezember 2025

Holz in der Hütt’n


Zwei Premieren auf einmal – die erste Freihandschnecke und der erste Anschäfter. Ziel war die Minimierung des Verschnittes auch wenn der Ansatzwinkel nicht optimal gewählt wurde.


Der Zargenkranz nimmt Form an und der Boden ist zumindest grob angezeichnet. Zum Einsatz kommt wieder eine schöne einteilige Planke. Die Decke ist mittlerweile gefugt, ein Schritt der dieses Mal ganze zwei Nachmittage und dutzende Anläufe in Anspruch genommen hat, da ich mich erst an eine neue Raubank gewöhnen musste.
Das ganze Projekt zieht sich bisher etwas in die Länge, mitunter auch wegen der erfolgten Neulackierung von No.1 und zusätzlicher Modifikationen. Auch Nummer zwei durfte nochmals auf den OP-Tisch. Aber in der Ruhe liegt die Kraft und Winterzeit ist auch Werkstattzeit.
Nun aber weiter mit der Deckenform aus dem rohen gefugten und zusammengefügten Blöcken.




Zargenkranz

mit Eckblöcken

Passung der C-Bügel mit der Decke

Und die Ecken von außen.


Und weiter geht es mit der Decke und dem Aushub des sogenannten Adergrabens


Danach geht es an die Einlage, die nicht nur eine optische Zierde, sondern vor allem auch der Riss-Prävention dienlich ist.

Diese wird mit Knochenleim eingeleimt und ich lasse den Kanal dabei bewusst etwas aufquellen für eine gute Passung. Danach wir der Überstand mit dem Geigenbauhobel und der Ziehklinge abgetragen.

Es folgt die Ausarbeitung des Inneren, erst grob mit dem Stecheisen, dann folgen Hobel und Ziehklinge.

Dabei werden immer wieder die Deckenstärken ausgemessen.

Es folgt das Ausmessen und Anzeichnen der F-Löcher

Die Auskehlung der F-Löcher und die erste Randbearbeitung mit dem Messer für eine saubere Kontur und Phase.





Adereinlage am Boden


Nun kommen wir zum körperlich anstrengensten Part – der Boden wird ausgestochen.

Die verschiedenen Einzelteile wie Decke, Boden, Hals und Zargenkranz liegen nun bereit zur Montage, es folgt die Verleimung des fertigen Zargenkranz mit dem Boden. Alle Bestandteile werden regelmäßig natürlicher UV-Strahlung von allen Seiten ausgesetzt, um eine natürlich Vorfärbung zu bekommen. Dies auch auf den innenliegenden Teilen um auch beim Blick ins Instrument den Eindruck einer antiken Geige zu bekommen. Das leuchtend weiße Holz würde beim Blick durch die F-Löcher doch auffallen.


Nachdem ich mich erfolgreich an „Fleur-de-lis“ Ornamenten im Bereich der Ecken nach dem Vorbild Andrea Guarneris versucht habe, gibt es nun auch bei Sonnenschein noch ein Gläschen Traubensaft.

Die stilisierte Schwertlilie wurde bis ins späte 18. Jahrhundert und auch darüber hinaus gerne als dekoratives Element verwendet. Im Christentum symbolisiert die Lilie Reinheit und Keuschheit, die Symbolik wurde aber auch gerne im französischen Adel verwendet um das göttliche Herschaftsrecht der Monarchen zu verdeutlichen.

Mal wieder ein Sonnenbad, denn bald darf der Deckel drauf.





Der Hals wird eingepasst. Um ein wenig Gewicht zu sparen ist der Halsfuß ein wenig aufgebort, denn diese Violine wird durch einen etwas höheren Zargenkranz und erhöhtem Volumen einige Gramm mehr auf die Waage bringen als meine bisherigen Instrumente.
Auch ist mir beim ursprünglichem Aussägen ein grober Schnitzer passiert – wem fällt es auf? An der fertigen Geige wird es es letztendlich nicht auffallen, denn ein guter Handwerker weiß sich immer zu helfen. Improvisation ist auch im Geigenbau gefragt. 🙂

Auch diese OP ist geglückt – Hals sitzt gut, mittig und auch der Griffbrettwinkel passt.
Nicht dokumentiert habe ich übrigens die Bearbeitung des Ebenholz Griffbrettes – dieser Akt hat sich dieses Mal aus verschiedenen Gründen über mehrere Monate hingezogen und gehört auch bei mir zu den eher unbeliebten Tätigkeiten im Geigenbau. Hartes Holz führt dazu, dass Beabeitungswerkzeuge permanent nachgeschliffen werden müssen und man braucht bei manueller Bearbeitung ohne Maschinen viel Geduld.
Zudem gilt der Ebenholzstaub nicht als unbedingt gesundheitsfördernd, so dass es viele Gründe gab, die unzähligen Abende mit Staubschutzmaske lange vor mir herzuschieben. Schließlich habe ich auch noch andere Hobbys und man glaubt es kaum – sogar einen richtigen Beruf. 🙂


Mal eben noch den Untersattel eingepasst und dann gab es auch schon die erst Tonprobe.
Normalerweise probiere ich das weiße Instrument, wie man eine unlackierte Geige nennt, nicht aus, doch dieses Mal mit der experimentiellen Volumenerhöhung und auch etwas größeren Stärken an bestimmten Stellen von Boden und Decke wollte ich überprüfen ob ich gegebenfalls noch Material abtragen muss, um die Tonalität anzupassen.
Das geht natürlich vor der Lackierung viel besser, da man hier mit dem Geigenbauhobel von außen einfach noch Holz von Boden und Decke an neuralgischen Punkten entfernt. Zudem war ich natürlich nach kanpp zwei Jahren Bauzeit auch einfach sehr gespannt in welche klangliche Richtung es geht.

Ich habe Glück – es darf also direkt lackiert werden. Die Zutaten stehen bereits bereit – es wird auch dieses mal einen zweischichtigen und selbst pigmentierten Öllack geben.

Resultat nach der ersten Runde überzeugt – Stradivari wäre bestimmt neidisch 😉


Ab geht es in die winterliche Sonne zur beschleunigten Polymerisation und Oxidation der ersten transparenten Lackschicht.
